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Meisterkonzert mit Tim Reynish

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Ein herausragendes Konzert boten die Stadtkapellen Markdorf und Meersburg am Sonntag, 22. Oktober als Abschluss einer einwöchigen Probephase mit Tim Reynish, einem der weltweit bekanntesten und gefragtesten Dirigenten der Blasorchesterszene.
Bereits im Frühjahr 2016 begannen Marianne Halder, Dirigentin der Stadtkapelle Meersburg und Reiner Hobe, Dirigent der Stadtkapelle Markdorf die Planung dieses musikalischen Highlights, und groß war die Freude, als die Zusage von Tim Reynish bei ihnen einging. Umgehend wurde die Stadthalle Markdorf als Konzertsaal festgelegt und reserviert; über die folgenden 1 ½ Jahre hinweg wurde das zu erarbeitende Programm ausgesucht, die Vorgehensweise diskutiert, die Besetzung erarbeitet, das Rahmenprogramm erstellt. Im September 2017 nahm das Ganze endgültig Gestalt an dahingehend, dass die Kapellen ihre gemeinsame Probephase begannen – Registerproben wurden in den Räumlichkeiten der Jugendmusikschule Meersburg abgehalten, die Gesamtproben im Proberaum der Stadtkapelle Markdorf. Am 16. Oktober reiste Tim Reynish in Begleitung seiner liebenswerten Frau Hilary an, und ab dort übernahm der Brite die Probenarbeit.
Gleich in der ersten Probe am selben Abend wurde klar, um was es ging: „wrong notes“, „take your pencil out“, „no dynamics, „no phrasing“ --- boring“. Spätestens dort wusste Jede/r, was zu tun war: es wurde geübt, gefeilt, korrigiert, gezählt um den Ansprüchen des Maestro in jeglicher Hinsicht gerecht zu werden. Alle Proben dieser Woche waren öffentlich, und es freute die Veranstalter dass von diesem Angebot rege Gebrauch gemacht wurde: Dirigenten und Musiker aus umliegenden wie auch überregionalen Vereinen nutzten die Gelegenheit, ihren musikalischen Horizont zu erweitern – es gibt mit Sicherheit keine bessere Fortbildung als von einer solchen Koryphäe belehrt zu werden. Am Sonntagnachmittag hielt Tim Reynish einen Vortrag über Leben und Werk des jüngst verstorbenen Komponisten Derek Bourgeois sowie die Bläserentwicklung in den Neunziger Jahren insgesamt.
Um 17 Uhr dann der Höhepunkt: das Konzert selbst.
Eine vollbesetzte Stadthalle war der Dank für all die intensive Vorbereitung und Probenarbeit - auch die Bürgermeister beider Städte, Herr Georg Riedmann aus Markdorf und Herr Robert Scherer aus Meersburg mit ihren Gattinnen ließen sich dieses außergewöhnliche Konzert nicht entgehen. Auf dem Programm standen ausschließlich originale Meisterwerke der Bläsermusik. 79 MusikerInnen nahmen auf der Bühne Platz. Es war ein nicht  zu beschreibendes Gefühl, als der Maestro dann auf die Bühne kam –- waren alle MusikerInnen doch bereits in den Proben restlos begeistert von diesem liebenswerten, humorvollen Briten, der – um seine musikalischen Intentionen zu verdeutlichen - auch einfach mal eine lange Nase zeigte, damit in den Yiddish Dances auch ja „dirty“ genug gespielt wurde!
Tim Reynish gehört zu den Dirigenten, die mit wenigen Bewegungen sehr sehr viel erreichen, die vor allem durch diese wenigen Bewegungen ein dynamisches Spektrum erreichen das gerade bei Blasorchestern nur selten zu erleben ist. In den drei aufeinanderfolgenden Sätzen der First Suite von Gustav Holst konnten alle Register ihr dynamisches Spektrum zeigen: aus den leisen Tiefen von Tuba und Baritons steigt das Thema der Chaconne im legato immer höher und höher, ein zweiter frecher Satz wird primär von den Holzbläsern angeführt, der dritte Satz aufgefangen vom Marsch der Blechbläser. Das war ein erstes Ausrufezeichen an diesem Konzert, und es sollten Weitere folgen. Guy Woolfendens „Gallimaufry“  („Kuddelmuddel“) basiert aus Szenen zu Shakespeare‘s Schauspiel Heinrich IV. In vollendeter Kompositionskunst hat der Komponist in sechs Sätzen die folgenden Szenen aneinandergereiht: Church and State / Inn and Out / Starts and Fits / Father and Son / Advance and Retreat / Church and Status Quo. Das Orchester hatte großen Spaß an diesem Werk, stellt es doch – der Handlung huldigend mit unzähligen Taktwechseln, Stimmungswechseln, dynamischen Tiefen, virtuosen Passagen mit einer regelrecht in Noten nachvollziehbaren Schlägerei - ein buntes Gemisch an Instrumenten und Klängen auf, ein Kuddelmuddel eben! Herausragend blies Daniel Blersch das Englischhorn-Solo im vierten Satz (die Beziehung von König Heinrich und Falstaff). Ganz anders und in der Programmabfolge bewusst gewählt: die volksliedhafte Stimmung in Percy Aldridge Graingers „Colonial Song“. Gewidmet den Menschen seiner Heimat Australien, ist es ein einziger Guss von Klangschönheit wie sie nur ein Grainger schaffen kann. Wunderschön und sicher stellt Felix Penert mit seinem Sopransaxophon das Hauptthema des Volksliedes vor. In diesem Werk ist ein Klavier obligat, und hierfür engagierte man Jürgen Jakob, welcher in sensationeller Manier ohne große Vorbereitung diesen Part mehr oder weniger vom Blatt hinzufügte – Blasorchester und Klavier: ein ganz spezielles Klangerlebnis, und mit solch einem Virtuosen wie Jakob es ist nur vom Feinsten.
Ein Programm das im Grunde genommen ausschließlich aus Meisterwerken der Bläsermusik besteht, könnte eigentlich keinen Höhepunkt haben, da jedes der ausgewählten Werke ein Solcher ist. Jedoch sind sich alle MusikerInnen einig: die nun folgenden „Yiddish Dances“ sind definitiv das Juwel auf dem Programm. Ein fantastisches Werk, von britischen Komponisten Adam Gorb zu Tim Reynishs 60. Geburtstag komponiert, hat alles was eine Komposition benötigt, um definitiv von Allen Ausführenden respektiert, gefürchtet und trotzdem innigst geliebt in Einem zu werden.
Fünf Sätze basieren auf jüdischer Volks- und Tanzmusik. Dieses Werk fordert jedem einzelnen Musiker alles ab, vor allem aber ist es das Werk der Solisten. Der erste Satz, „Khosidl“ ist noch einigermaßen harmlos, ein bisschen sentimentales Klezmer-Schluchzen mit viel Pathos, jedoch ohne große Vorkomm- oder Hindernisse -  wenn man so will, das „Sich-Warm-Tanzen“ eines jeden einzelnen Registers.  Hier zeigt sich bereits, welches Instrument im gesamten Werk wieder und wieder das Sagen hat: die Es-Klarinette. Dann aber stürmt der zweite Satz „Terkishe“ von Anfang an in unglaublich virtuosem Tempo voran, baut sich mehr und mehr auf, um in massiven Tutti-Akkorden die Rezitative der „Doina“ einzuleiten: Großartige Kadenzen wandern von einem Instrument zum Anderen: die Es-Klarinette eröffnet, hier - wie bereits im ersten Satz - eindringlich und fantastisch in Szene gesetzt von Klarinettist Georg Karagiannis, die Trompete übernimmt selbstbewusst mit Volker Bühler als Solisten, es folgt Florian Möhrle mit der Posaune, er übergibt an Mario Lieb mit dem Alt-Saxophon. Der Schluss dieses Solistenreigens liegt in der Flöte, souverän gemeistert von Sonja Morosin. Absteigend über Trompete, Posaune und Tuba mündet die solistische Doina in die fast statische und gleichzeitig rockige „Hora“, solo angeführt wiederum von Volker Bühlers Trompete. Wieder und wieder überragt und mischt sich die Es-Klarinette ins Geschehen ein – in diesem Werk wie auch das gesamte Konzert hindurch eine herausragende Leistung des jungen Klarinettisten! Den Kehraus bildet der typische „Freylechs“: noch einmal jagen alle in Tanzmanier über die Bühne, angeführt von den Saxophonen, aufgenommen nach und nach in allen Registern, alles bäumt sich in einen donnernden Schlussakkord, bei welchem die Verdi‘sche Requiem – Grosse Trommel ebenfalls nicht fehlt. Tosender Applaus, nicht enden wollende Bravo-Rufe gaben den MusikerInnen nicht erst hier, aber vor allem nach diesem Werk endgültig alles Recht, sich klasse zu fühlen, ihre Arbeit als einmalig und gelungen bezeichnen zu dürfen. Schlusspunkt des Konzertes war die Zweite Suite von Gustav Holst in vier Sätzen. Traumhaft schön musizierten alle dieses Finalwerk des Konzertes, Daniel Sauter spielt schlicht und innig das Klarinettensolo  im zweiten Satz. Hämmernd und kräftig der dritte Satz genannt „Song of the Blacksmith (Lied der Schmiede), warm und großartig wird der vierte Satz, dem Holst das bekannte Volkslied Greensleeves zugrunde gelegt hatte.
Standing Ovations, frenetischer, nicht enden wollende Beifallsstürme im Publikum; Stolz, Freude, Dankbarkeit und ein unendliches Glücksgefühl auf der Bühne bei Allen Aktiven. Jedem/r Einzelnen war in diesem Moment mit Sicherheit bewusst: man hatte gerade etwas Großartiges, etwas Einmaliges geleistet. Vor lauter Klatschen schienen die Zuhörer ganz vergessen zu haben, was man sagen muss, um noch etwas zu hören - Tim Reynish verriet es ihnen: „If you want to hear something more, it‘s called an Encore!“ Um den Bogen zum Einführungsvortrag zu spannen, war ein Werk von Derek Bourgeois, nämlich die für Blasorchester bestens bekannte Serenade im ungewöhnlichen 11/8-Takt hierfür vorbereitet. Reynish ließ es sich nicht nehmen, denselben zuerst mit dem Publikum zu üben bevor das Werk gespielt wurde – so wie er übrigens im Laufe des Konzertes dem hochkonzentrierten, aufmerksamen Publikum den ein oder anderen informativen wie auch aufheiternden, aufmunternden, zum Schmunzeln anregenden Kommentar nahebrachte.
Ein atemberaubendes Projekt hat mit diesem Konzert seinen Höhepunkt und Abschluss gefunden. Alle Mitwirkenden sind sich einig, dass dies ein Meilenstein in der musikalischen Arbeit beider Orchester sein wird.  In allerbester Stimmung verließen sich Publikum und Aktive, jeder mit dem innewohnenden Stolz, dabei gewesen zu sein.
Einer der Meersburger Musiker brachte es bereits im Laufe der Woche auf den Punkt: „ich gebe Alles, um Tim und Jerry voll auskosten zu können!“. Das hat er mit Sicherheit geschafft; das haben mit Sicherheit Alle geschafft. Und so ganz nebenbei hat sich auch zwischen den beiden Kapellen eine sehr nette Freundschaft gebildet, die mit Sicherheit ab sofort gehegt und gepflegt werden wird.
„Last but not least“ bleibt zu sagen:
Dear Tim Reynish – thank you for a wonderful musical event. Thank you for taking the time.
Lieber Tim Reynish: es waren unvergessliche Momente, die du uns musikalisch wie auch menschlich gegeben hast. Danke! Danke! Danke!

Stadtkapellen Markdorf und Meersburg
Marianne Halder und Reiner Hobe, Dirigenten
Brigitte Waldenmaier und Ulrich Dreher, Vorstände

Zuletzt geändert am: 11/12/2017 um 21:11

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